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Fabrik der Zukunft


Fabrik der Zukunft

Statement von Jürgen Dispan im Ingenics-Magazine

Die Fabrik der Zukunft ist das Schwerpunktthema im Ingenics-Magazine 3/2020. Wie die Fabrik der Zukunft aussehen kann, was Unternehmen auf dem Weg dorthin beachten sollten und warum der Mensch auch weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird – diese Themen stehen im Zentrum der im Mai 2020 erschienenen Ausgabe.

In der Rubrik „Hype or Hope“ geht der IMU-Mitarbeiter Jürgen Dispan auf die Bedeutung der Arbeitskraft in der hochautomatisierten Produktion ein. Weitere Artikel widmen sich der „Fabrik ohne Licht – Realität oder Vision“, dem „Digitalen Zwilling“, den „fünf Thesen zur Produktion der Zukunft“ etc.

Link zur Homepage von Ingenics mit dem Magazin „Fabrik der Zukunft“ als pdf-Datei

Hype or Hope als Doppelseite mit den Beiträgen von Jürgen Dispan und Manfred Braun (Quelle: Ingenics Magazine, Ausgabe 03/2020)

 

Hier das ungekürzte Interview mit Jürgen Dispan:

1.  Fabrik ohne Licht – hype or hope?

Nope – auf den Lichtschalter werden wir nicht verzichten können und die menschenleere Fabrik wird beim deutschen Produktionsmodell die absolute Ausnahme bleiben. In der betrieblichen Realität findet Digitalisierung mit entsprechenden Rationalisierungsschwerpunkten heute ganz stark in der Büro- und Informationsarbeit statt – vielleicht müsste an dieser Stelle eher nach dem „Büro ohne Licht“ gefragt werden.

2.  Welche Vorteile bringt eine vollautomatisierte Produktion?

Da unterscheide ich zwischen der humanorientierten und der kapitalorientierten Sicht. Für den Menschen könnte die vollautomatisierte Produktion eine Befreiung von belastenden, monotonen, gefährlichen Tätigkeiten und ein Ende der Entfremdung von Arbeit bringen. Aber das bleibt pure Theorie, wenn am Ende des Tages für viele „Freigesetzte“ Hartz-4 droht. Gleichwohl sollten Automatisierungspotenziale weiter genutzt werden, um den Beschäftigten interessantere, gesündere, entlastende und wichtigere Aufgaben mit höherer Arbeitsqualität zu ermöglichen.

Auf den ersten Blick sind Kostenvorteile, Rundumbetrieb, hohe Produktivität einige der Vorteile aus kapitalorientierter Sicht. Aber im deutschen Modell der variantenreichen Hochqualitätsproduktion ist Flexibilität ein sehr wichtiger Faktor. Variantenvielfalt ist nur mit flexiblen Konzepten und qualifizierten Beschäftigten zu bewerkstelligen. Automation, damit einhergehende Komplexität und Kostenreduktion sollten also nicht zu Lasten der Flexibilität und der Beschäftigten gehen, wenn nicht am Ende des Tages das Licht für die Produktion in Deutschland ausgehen soll.

3.  Werden wir auf den Menschen in der Fabrik tatsächlich verzichten oder ist das nur eine Vision?

Es geht um die alte Frage, ob Technik den Menschen in der Fabrik ersetzen wird oder ob sie (in diesem Falle Digitalisierung und KI) als Werkzeug zur Verbesserung der lebendigen Arbeit genutzt werden kann. Bei diesen gegensätzlichen Leitbildern sollte die Orientierung unbedingt in Richtung Werkzeugszenario – der Mensch im Mittelpunkt – gehen.

Für flexible Hochqualitätsproduktion ist der Mensch nach wie vor elementar. Die Beschäftigten sind diejenigen, die über Erfahrungs- und Prozesswissen verfügen und damit unverzichtbar für KVP und Produktivitätssteigerungen sind. Klar ist aber auch, dass in Bereichen wie der Intralogistik weitere Ratiopotenziale durch Automatisierung ausgeschöpft werden und dass es in allen Unternehmensbereichen strukturelle und qualifikatorische Verschiebungen beim Personal geben wird. Aber die Menschen in der Fabrik werden nach wie vor als Produzenten mit Erfahrungswissen und Prozess-Knowhow sowie als Beschäftigte für Problemlösungen, Planung, Steuerung, Überwachung etc. gebraucht.

4.  Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Thema Smart Factory?

Angefangen hat es mit ein paar Vorzeigewerken einzelner Anbieter von Industrie-4.0-Lösungen. Inzwischen gibt es Beispiele für Smart Factories in verschiedenen Branchen, die aber alles andere als menschenleer und lichtlos sind. In der Breite der Industrie gibt es aber noch viele Unternehmen, die noch nicht mal bei Industrie 3.0 angekommen sind.

Die Maschinenbauer, Automatisierer und IT-Spezialisten haben bereits viele Angebote (Sensorik, Vernetzung, autonome Software-Systeme) für die Smart Factory für ihre Anwender im Portfolio. Aber bei diesen wird Industrie 4.0 bisher bestenfalls in wenigen neu errichteten Modellfabriken umgesetzt oder aber im Brownfield wenn überhaupt, dann als Insellösung schrittweise erprobt und eingeführt. Bei vielen Unternehmen mangelt es noch an der strategischen Herangehensweise an die Digitalisierung.

5.  Wie wird sich das Thema Produktion der Zukunft in den kommenden Jahren weiterentwickeln und was sind die Schwerpunkte?

In Smart Factories und vernetzten Wertschöpfungsketten wird es weitere Automatisierungsschübe geben. Aber zur menschenleeren Fabrik wird es nicht kommen, außer die deutsche Industrie verabschiedet sich von ihrem Erfolgsmodell der flexiblen Hochqualitätsproduktion. Und wie wir seit Henry Ford alle wissen, kaufen Autos keine Autos und dasselbe gilt auch für Roboter.

In der Produktion und in den Unternehmen insgesamt wird es aber starke Veränderungen durch Digitalisierung und KI geben. Autonome Softwaresysteme und Vernetzung werden die Arbeit in allen Unternehmensbereichen prägen. Digitale Assistenzsysteme und Cobots werden die Montagearbeit verändern, Fahrerlose Transportsysteme verdrängen die Staplerfahrer, Additive Manufacturing verändert Fertigungsprozesse, Predictive Maintenance die Instandhaltung und Wartung, Augmented Reality den Service und vieles mehr.

Die Produktion der Zukunft ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind produktionsnahe Tätigkeiten wie Planung und Steuerung, die sich künftig stark verändern und dann, in der Gesamtbetrachtung des Smart Enterprise, vor allem die Büro- und Informationstätigkeiten. Durch die Vernetzung, durch Software-Bots und Robotic Process Automation wird es dort die größten Umbrüche für die Beschäftigten geben.

Die digitale Transformation geht mit einem umfassenden Wandel der Arbeitswelt einher. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die partizipative Gestaltung von Digitalisierungsprozessen. Damit werden für die Unternehmen Beteiligungsprozesse im digitalen Wandel unumgänglich. Zum einen gilt es, die Beschäftigten nicht nur mitzunehmen, sondern gemeinsam mit ihnen die betriebliche Digitalisierung zu gestalten. Zum anderen gilt es, den Betriebsrat frühzeitig einzubinden und bei Fragen der Arbeitsgestaltung, der Qualifizierung, der Arbeitszeitflexibilisierung (Work-Life-Balance) und des Datenschutzes umfassend zu beteiligen.

 

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