Interview zur Branchenanalyse Elektrowerkzeuge
In der aktuellen Ausgabe der ProfiBörse (1-2026) geht Jürgen Dispan auf die Herausforderungen und Entwicklungstrends für die Elektrowerkzeugbranche ein. Hintergrund: Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und der IG Metall hat das IMU Institut die „Branchenanalyse Elektrowerkzeuge – Strukturen, Transformationen, Szenarien 2040“ erstellt.
Werden die Trends in der Elektrowerkzeugbranche der letzten zehn Jahren betrachtet, dann stechen drei Dinge hervor: Die wichtigste Entwicklung ist die Dominanz der Akkutechnologie und ihr Vordringen in die leistungsstarken Bereiche, begleitet von Plattformen und Allianzen rund um Akkus. Zweitens hat sich der Wettbewerb deutlich verschärft, weil sich große chinesische Anbieter mit preislich attraktiven und qualitativ verbesserten Produkten in den Markt gedrängt haben und auch ins Profisegment vorgestoßen sind. Drittens hat sich die Vertriebslandschaft fundamental verschoben: Online ist vom bedeutenden zum dominanten Kanal geworden und die Hersteller rücken digital näher an die Endkunden heran. Parallel dazu ist der Kosten‑ und Verlagerungsdruck gestiegen. Die Wertschöpfungstiefe im Inland ist gesunken und der Handelswarenanteil in der Branche hat sich stark erhöht.
Die großen Herausforderungen für die Elektrowerkzeugbranche in Deutschland lassen sich unter der Überschrift „Branche unter Druck“ zusammenfassen. Speziell für die Elektrowerkzeughersteller im Profisegment, die die Branche in Deutschland prägen, erhöht sich die Wettbewerbsintensität in vielfältiger Art und Weise – sie stehen unter großem Druck. Steigenden Druck gibt es durch den Online-Handel, durch große und erstarkende Wettbewerber aus China, durch Standorte in Low-Cost-Countries sowie durch ein verändertes Kaufverhalten bei den Profi-Abnehmern. Gleichzeitig steigt der Druck von unten durch das Upgrading von DIY-Anbieter und von der Seite durch Startups und Seiteneinsteiger aus anderen Branchen, die mit neuen Technologien in die Anwendungsbereiche klassischer Elektrowerkzeughersteller eindringen. Dazu kommt der Druck auf die Wertschöpfung im Inland und auf die Innovationsfähigkeit der deutschen Elektrowerkzeughersteller.
Zur Zukunft der Branche hat das IMU Institut drei Szenarien entwickelt: „Renaissance von Made-in-Germany“, „Systemkopf Deutschland“ und „Deindustrialisierung“. Diese drei Szenarien zeigen die Bandbreite möglicher Entwicklungen der Elektrowerkzeugbranche Deutschlands bis 2040. Sie reichen vom Best-Case einer innovationsgetriebenen, nachhaltigen Erfolgsstory bis hin zu einer tiefgreifenden Strukturkrise im Worst-Case-Szenario. Die tatsächliche Entwicklung ist heute noch offen. Sie wird maßgeblich von unternehmensstrategischen Entscheidungen über Investitionen und Innovationen, von der Gestaltung politischer Rahmenbedingungen und von der Fähigkeit zur Anpassung an globale Trends abhängen. Aus diesen drei Szenarien 2040 lässt sich ein klares Fazit ziehen: Die Zukunft der Elektrowerkzeugbranche in Deutschland entscheidet sich daran, ob Unternehmen und Politik gemeinsam die Transformation aktiv gestalten. Nur mit Investitionen in Digitalisierung, Akku-Systemkompetenz, nachhaltige Kreislaufwirtschaft, Systemlösungen und Produktionskompetenz kann eine Renaissance gelingen. Werden diese Chancen verpasst, droht ein dauerhafter Abstieg bis hin zur Deindustrialisierung. Daraus ergeben sich strategische Optionen für Unternehmen und Politik.
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Ansprechpartner: Dr.Jürgen Dispan