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Selbstorganisierte Teamarbeit in Betriebs- und Dienstvereinbarungen

Projektlaufzeit: Januar 2019 - April 2020

Projektpartner Hans-Böckler-Stiftung

Projektteam Bettina Seibold, Walter Mugler, Rainer Salm

Plötzlich selbstorganisiert: Transformation der Arbeitsorganisation

Seit Jahren verändert sich Arbeit kontinuierlich, weil Unternehmen umstrukturieren, reorganisieren und rationalisieren. In diesem Zusammenhang werden in Unternehmen ganzheitliche Produktionssysteme und Lean-Konzepte eingeführt. Forschungs- und Entwicklungsabteilungen arbeiten mit agilen Entwicklungsmethoden (z.B. Scrum) oder es werden neue Führungskonzepte erarbeitet. Dabei sollen Beschäftigte sozial kompetent in Teams (mehr oder weniger) selbstorganisiert zusammenarbeiten – und dies auch in den indirekten Unternehmensbereichen, die lange hierarchisch strukturiert waren und in denen Gruppenarbeit früher keine Rolle spielte. „Selbstorganisierte Gruppenarbeit“ ist der Überbegriff für diese Teams, die gemeinsam an einer Arbeitsaufgabe arbeiten und sich dazu intern – ohne Führungskraft – abstimmen.

Einführung birgt Chancen und Risiken

Die Erfahrungen mit der teilautonomen Gruppenarbeit in den letzten Jahrzehnten sind durchmischt. In vielen Produktionswerken der Metall- und Elektroindustrie wurden seit Beginn der 1990er Jahren umfassende und detaillierte Betriebsvereinbarungen zu teilautonomer Gruppenarbeit mit gewählten Gruppensprecherinnen und -sprechern abgeschlossen.

Notwendig sind Vereinbarungen, mit deren Hilfe die Mitbestimmungsakteure anschließend im laufenden Betrieb das Thema begleiten können. Sie müssen Interventionsschwellen deutlich machen, bei deren Überschreiten sich die Betriebstäte in die betriebliche Praxis einmischen.

Für teilautonome Gruppenarbeit, Teamarbeit mit eingesetzten Teamleitenden und für agile Teams gilt: Regulieren, ohne dass entsprechende Ressourcen und Strukturen zur Begleitung der Vereinbarung Beratungs- und Gestaltungshinweise vorhanden sind, ist nur begrenzt wertvoll.

Dynamischer Interessenausgleich als Win-Win-Situation

Aus diesem Grund sind Prozessvereinbarungen zur Einführung von selbstorganisierter Teamarbeit - mit einem Leitplankenkonzept – empfehlenswert. Dieses setzt voraus, dass Arbeitgeber und Betriebsrat sozialpartnerschaftlich zusammenarbeiten. Sie ist sozusagen ein „dynamischer Interessenausgleich“: Denn sie führt im Prozess an definierten Meilensteinen wiederholt zu gemeinsamen Entscheidungen der Betriebsparteien, um Nachteilen für Beschäftigte entgegenzusteuern. Ganzheitlich betrachtet kommt es somit sowohl für die Organisation als auch für die Beschäftigten zu einer Win-Win-Situation – und bietet Betriebsräten die Chance, auch bei Themen, bei denen rechtlich keine Mitbestimmung durchzusetzen ist, gestalterisch mitzuwirken.

Auch nach der Einführungsphase muss das Thema weiterhin Priorität in der Betriebsratsarbeit haben. Dazu sollten regelmäßige Review-Schleifen festgelegt werden, die praktische Auswirkungen nach sich ziehen. Außerdem ist und bleibt die Qualifizierung der Gremien ein wichtiges Thema – insbesondere bei agilen Methoden, die für viele Mitbestimmungsakteure neu sind.

IMU-Artikel in der SonderMITteilung zum Deutschen BetriebsräteTag 2019

Broschüre "Selbstorganisierte Teamarbeit. Beispiele und Hinweise für Betriebs- und Personalräte"

HBS-Study: "Selbstorganisierte Teamarbeit in Betriebs- und Dienstvereinbarungen"

Broschüre "Agiles Arbeiten im Rahmen der Fluidorganisation"

Artikel im personalmagazin 11/2021: Gemeinsam, flexibel, fokussiert

 

Weitere Informationen und Projektergebnisse sind bei der Hans-Böckler-Stiftung abzurufen.

https://www.imu-boeckler.de/de/betriebsvereinbarungen-15454-arbeit-in-selbstorganisierten-teams-20487.htm